— Wie werden wir das Jahr abschließen?
Dies ist wahrscheinlich eine der häufigsten Fragen im Budgetmanagement, Controlling und in der Finanzplanung.
Ich habe sie unzählige Male in Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Gesundheitseinrichtungen und gemeinnützigen Organisationen gehört.
Die Ausgangssituation ist dabei meist dieselbe.
Sie verfügen über ein Jahresbudget.
Sie kennen die bislang erzielten Ist-Werte.
Sie wissen, welches Budget noch verfügbar ist.
Möglicherweise nutzen Sie sogar moderne ERP-Systeme, Dashboards oder Finanzberichte.
Doch wenn jemand fragt:
Wie werden wir das Jahr abschließen?
ist die Antwort oft nicht so eindeutig.
Die meisten Systeme zeigen sehr gut, wo Sie heute stehen.
Wesentlich seltener zeigen sie, wohin Sie sich entwickeln.
Bis Dezember warten, um festzustellen, dass ein Problem bestand ❌
Probleme frühzeitig erkennen und rechtzeitig handeln ✅
Genau dafür sind Prognosen gedacht.
Budgetierung und Prognosen verbinden Daten, Erfahrung und professionelles Urteilsvermögen. In dieser Artikelserie finden Sie praktische Methoden, Beispiele und bewährte Vorgehensweisen zur Unterstützung von Planung, Controlling und Entscheidungsfindung.
💡 Kernidee: Eine gute Prognose dient nicht dazu, die Zukunft exakt vorherzusagen. Sie hilft dabei, Probleme frühzeitig zu erkennen.
Die Bedeutung verlässlicher Daten
Bevor wir über Prognosemethoden sprechen, gibt es eine grundlegende Voraussetzung:
Sie brauchen die passenden Daten.
Je mehr historische Informationen zur Verfügung stehen, desto zuverlässiger werden die Prognosen.
📅 Jahresbudget
Die ursprüngliche Budgetplanung zu Beginn des Geschäftsjahres.
📊 Aktuelle Ergebnisse
Die bisher verfügbaren Ist-Werte des laufenden Jahres.
📈 Historische Daten
Idealerweise zwei oder drei vollständige Jahre historischer Informationen.
📚 Jahresfaktoren
Historische Zusammenhänge zwischen kumulierten Ergebnissen und Jahreswerten.
💡 Praxisbeobachtung: Wenn die Daten in Excel vorhanden sind, lassen sich nahezu beliebige Analysen und Prognosen erstellen.
Genau das werden wir im weiteren Verlauf dieses Artikels tun.
Vier Methoden zur Prognose des Jahresabschlusses
Es gibt nicht nur einen einzigen richtigen Weg, um den Jahresabschluss zu prognostizieren.
Im Folgenden finden Sie vier einfache und praxiserprobte Methoden, die sich in realen Budget- und Controlling-Prozessen bewährt haben.
Jede Methode betrachtet das Problem aus einer anderen Perspektive.
Am Ende werden Sie sehen, warum die Kombination mehrerer Methoden häufig bessere Ergebnisse liefert als die Verwendung nur einer einzelnen Schätzung.
📈 Methode 1: Historisch
Diese Methode prognostiziert den Jahresabschluss anhand des tatsächlich beobachteten Verhaltens vergangener Jahre.
Zunächst wird berechnet, welcher Anteil des Jahresergebnisses zum gleichen Zeitpunkt in den historischen Jahren bereits erreicht war.
Vorteil: Basiert auf realem historischen Verhalten.
Einschränkung: Außergewöhnliche Jahre können das Ergebnis verzerren.
📉 Methode 2: Linearer Trend
Diese Methode verwendet einen linearen Trend auf Basis der historischen Jahresergebnisse.
Wenn Einnahmen oder Ausgaben über mehrere Jahre einem klaren Trend folgen, liefert dieser Ansatz häufig sehr gute Ergebnisse.
Vorteil: Erkennt langfristige Entwicklungen.
Einschränkung: Reagiert häufig langsamer auf aktuelle Veränderungen.
📊 Methode 3: Linearer YTD-Trend
Diese Methode basiert auf den kumulierten historischen Werten zum gleichen Zeitpunkt des Jahres und passt das Ergebnis anschließend anhand des gewichteten historischen Faktors an.
Dadurch werden aktuelle Entwicklungen stärker berücksichtigt.
Vorteil: Berücksichtigt aktuelle Entwicklungen schneller.
Einschränkung: Kann empfindlicher auf kurzfristige Schwankungen reagieren.
📅 Methode 4: Budget
Auch das ursprünglich geplante Jahresbudget kann als zusätzliche Prognosereferenz genutzt werden.
Obwohl es sich nicht um eine berechnete Prognose handelt, enthält es die Annahmen und Analysen des Budgetierungsprozesses.
Vorteil: Immer verfügbar.
Einschränkung: Berücksichtigt Veränderungen während des Jahres nicht automatisch.
⭐ Empfohlene Prognose: Gewichteter Durchschnitt
Wenn ich mich für nur eine Prognose entscheiden müsste, wäre dies meine erste Wahl.
Nicht weil sie komplexer ist.
Sondern weil sie mehrere Perspektiven in einer einzigen Schätzung kombiniert.
Im Beispiel dieses Artikels werden folgende Gewichtungen verwendet:
- Historisch: 30%
- Linearer Trend: 30%
- Linearer YTD-Trend: 15%
- Budget: 25%
Diese Gewichtungen können jederzeit angepasst werden.
Ein Verfahren kann sogar eine Gewichtung von 0 % erhalten, wenn es sich in der Praxis als wenig hilfreich erweist.
Erfahrung, laufende Überprüfung und Feedback helfen dabei, die geeignetsten Gewichtungen zu bestimmen.
📌 Wichtig
Es gibt deutlich anspruchsvollere Methoden, darunter statistische Modelle, exponentielle Glättung, ETS-Prognosen, ARIMA und weitere fortgeschrittene Verfahren.
In vielen Organisationen liefern die in diesem Artikel vorgestellten einfachen Methoden jedoch bereits sehr gute Ergebnisse bei deutlich geringerer Komplexität und wesentlich geringerem Pflegeaufwand.
Kein Modell ersetzt das Wissen über Ihr Unternehmen, Ihren Markt oder die besonderen Umstände, die Ihre Ergebnisse beeinflussen können.
📝 Praktisches Beispiel: Wie wird das Jahr enden?
Angenommen, Ihnen stehen Budgetdaten und Ist-Werte bis Ende August zur Verfügung.
Zusätzlich verfügen Sie über historische Ergebnisse früherer Jahre und möchten abschätzen, wie das laufende Jahr enden könnte.
Das folgende Modell kombiniert historische Faktoren, lineare Trends, kumulierte Werte und Budgetdaten, um verschiedene Prognosen zu erstellen.
Beispiel eines Budgetprognosemodells zur Veranschaulichung der in diesem Artikel vorgestellten Methoden. (Klicken Sie auf das Bild, um es in voller Größe anzuzeigen.)
Beispiel eines Budgetprognosemodells zur Veranschaulichung der in diesem Artikel vorgestellten Methoden.
Wie Sie sehen, liefert jede Methode ein anderes Ergebnis.
Das ist völlig normal.
Der eigentliche Mehrwert entsteht durch den Vergleich der Ergebnisse und die Kombination mehrerer Ansätze in einer gewichteten Prognose.
💻 Umsetzung in Excel
Excel enthält alle Funktionen, die zur Umsetzung dieses Prognosemodells erforderlich sind.
💡 Praxiserfahrung: In den meisten Organisationen liefern einfache Methoden bereits hervorragende Ergebnisse, ohne dass komplexe statistische Modelle notwendig sind.
1. Jahresfaktoren (Spalten AF:AH)
Im ersten Schritt wird berechnet, welcher Anteil des Jahresergebnisses zum Analysezeitpunkt bereits erreicht wurde.
[AG7] = WENNFEHLER(AA7/AD7;0)
[AH7] = WENNFEHLER(AB7/AE7;0)
Diese Faktoren zeigen, welcher Anteil des Jahresergebnisses üblicherweise bis zum betrachteten Monat erreicht wird.
2. Gewichteter Faktor (Spalte AI)
Anschließend wird ein gewichteter Faktor auf Basis der historischen Jahre berechnet.
In diesem Beispiel verwenden wir:
- 2022 = 20%
- 2023 = 30%
- 2024 = 50%
Diese Gewichtungen können jederzeit angepasst werden.
3. Historische Methode (Spalte AK)
Diese Methode verwendet den aktuellen Ist-Wert und den zuvor berechneten gewichteten historischen Faktor.
In vielen Fällen handelt es sich um eine der stabilsten Prognosemethoden, da sie direkt auf realen historischen Ergebnissen basiert.
4. Linearer Trend (Spalte AL)
Diese Methode berechnet einen linearen Trend auf Basis der historischen Jahresergebnisse.
Dadurch werden langfristige Entwicklungen berücksichtigt.
5. Linearer YTD-Trend (Spalte AM)
Diese Methode verwendet die kumulierten historischen Werte des gleichen Zeitpunkts und korrigiert das Ergebnis anschließend mit dem gewichteten Faktor.
Dadurch reagiert sie schneller auf aktuelle Entwicklungen.
6. Budgetmethode (Spalte AN)
Hier wird direkt das aktuelle Jahresbudget verwendet.
Dies dient als zusätzliche Referenz für die Prognose.
7. Durchschnitt und gewichteter Durchschnitt (Spalten AP und AQ)
Nachdem die vier Prognosen berechnet wurden, werden zwei zusätzliche Kennzahlen erstellt.
Einfacher Durchschnitt (AP)
Gewichteter Durchschnitt (AQ)
Der gewichtete Durchschnitt stellt die endgültige Empfehlung des Modells dar.
8. Endgültige Prognose (Spalte W)
Die im Modell verwendete Endprognose entspricht dem Ergebnis der Spalte AQ.
Die endgültige Prognose basiert nicht auf einer einzelnen Methode, sondern auf einer gewichteten Kombination mehrerer Schätzungen.
📈 Der wahre Wert liegt in der Interpretation
Viele Menschen konzentrieren sich ausschließlich auf die Berechnung der Prognose.
Doch die Berechnung ist nur ein Teil des Gesamtbildes.
Der wahre Mehrwert entsteht durch die richtige Interpretation der Ergebnisse.
💡 Kernidee: Das Ziel besteht nicht darin, das exakte Jahresergebnis vorherzusagen. Das Ziel besteht darin, bessere Entscheidungen zu treffen.
📊 Bevor Sie komplexe Modelle entwickeln, visualisieren Sie die Daten
Häufig liefert ein einfaches Diagramm mehr Erkenntnisse als eine Tabelle mit hunderten Zeilen.
- Erlöse.
- Aufwendungen.
- Ergebnis.
- Prognosen.
- Historische Faktoren.
💡 Ein einfaches Diagramm kann in wenigen Sekunden sichtbar machen, wofür man in Excel hunderte Zeilen analysieren müsste.
✅ Bewährte Praktiken
📚 Historische Daten nutzen
Arbeiten Sie möglichst mit zwei bis drei Jahren historischer Daten.
📊 Methoden vergleichen
Verlassen Sie sich nicht auf nur eine einzige Prognose.
📈 Trends visualisieren
Diagramme machen Entwicklungen oft deutlich sichtbar.
🔄 Gewichtungen überprüfen
Passen Sie die Gewichtungen regelmäßig an neue Erkenntnisse an.
❌ Häufige Fehler
- Sich auf nur eine Prognosemethode verlassen.
- Historische Daten ignorieren.
- Annehmen, dass das Budget automatisch eingehalten wird.
- Trendlinien ohne fachliches Urteil verwenden.
- Prognosen nicht regelmäßig aktualisieren.
- Veraltete Gewichtungen verwenden.
- Eine Prognose mit einer exakten Vorhersage verwechseln.
❓ Häufig gestellte Fragen
Welche Methode eignet sich am besten für eine Jahresabschlussprognose?
In der Praxis erzielt die Kombination mehrerer Methoden meist die besten Ergebnisse.
Wie viele historische Jahre sollte man verwenden?
Für die meisten Organisationen reichen zwei bis drei Jahre aus.
Können Gewichtungen angepasst werden?
Ja. Eine regelmäßige Überprüfung wird ausdrücklich empfohlen.
Kann eine Methode mit 0 % gewichtet werden?
Ja. Wenn sie wenig Mehrwert liefert, kann sie ausgeschlossen werden.
Sind komplexe statistische Modelle zwingend erforderlich?
Nein. Oft liefern einfache Methoden bereits hervorragende Ergebnisse.
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- Demnächst: Budgetplanung für das kommende Jahr.
- Demnächst: Aufbau von Budgetszenarien.
- Demnächst: Umsatzprognosen mit historischen Daten.
- Demnächst: Kostenprognosen mit historischen Daten.
- Demnächst: Budgetverteilung auf Abteilungen und Kostenstellen.
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